Ich erinnere mich noch, wie fasziniert ich war, als ich im Sommer 2022 erstmals davon las, welche Fähigkeiten Sprachmodelle angeblich haben: Kohärente Sätze könnten sie formulieren und Fragen aus unterschiedlichsten Themenfeldern beantworten. Es war noch vor der Veröffentlichung von ChatGPT. Um auf die Sprachmodelle zuzugreifen, musste man etwas Aufwand betreiben und die Schnittstellen von Techfirmen zu nutzen wissen. Auch wenn die Fortschritte damals beeindruckend klangen, war ich vorsichtig. Für mich klang vieles nach PR-Hype. Ich ging davon aus, dass ein großer Durchbruch noch weit in der Zukunft läge. Und dann, nur wenige Monate später, kam ChatGPT heraus. Bald darauf berichtete mir eine Freundin, sie habe sich mit dem Chatbot gestritten - die KI hatte ihr das Ende einer Serie gespoilert, obwohl meine Freundin explizit gefordert hatte, das zu unterlassen. Nach ihrer wütenden Sprachnachricht bekam sie ein schlechtes Gewissen und entschuldigte sich bei der KI. Ich kann nur sagen: Die Welt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Dieser Wandel macht sich in allen Lebensbereichen bemerkbar. Besonders faszinierend finde ich, wie die neuen Technologien die Wissenschaft beeinflussen. Einige Fachleute können deutlich effizienter arbeiten, unliebsame Aufgaben an die Maschine abtreten und sich dadurch auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Die KI-Systeme können sogar noch mehr leisten als bloße Routinetätigkeiten und haben teilweise erstaunliche Fähigkeiten erlangt. Das lässt einige mit der Frage zurück, welche Rolle der Mensch in Zukunft in der Wissenschaft spielen wird. Werden überlegene KIs Forschenden aus Fleisch und Blut künftig den Rang ablaufen? So spannend und teilweise beängstigend die Szenarien von einer KI-getriebenen Forschungswelt sind, so unklar ist hier noch vieles. Unterdessen offenbaren die Technologien bereits einige handfeste Nachteile: Die Systeme sind extrem energiehungrig, grundlegend unzuverlässig und aus Sicht des Datenschutzes ein enormes Problem. Umso besorgniserregender ist es, dass sich viele Menschen und Unternehmen immer mehr von den KI-Programmen abhängig machen, die von einigen wenigen großen Techfirmen stammen. Eines ist klar: Die Technologie ist gekommen, um zu bleiben. Aber wir müssen uns Gedanken machen, wie wir sie nutzen möchten - und wie weit wir sie in unseren beruflichen und privaten Alltag eindringen lassen. Manon Bischoff, Spektrum der Wissenschaft.
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