Die manuelle Herstellung von Objekten prägte maßgeblich die materielle Kultur einzelner Gesellschaften. Das Wissen über die idealen Eigenschaften bestimmter aus der Natur gewonnener Materialien, über Techniken der Verarbeitung von Rohmaterialien und die Herstellung bestimmter Produkte, wurde über Jahrhunderte als Tradition von Generation zu Generation weitergetragen. Viele Gebäude, wie auch Gebrauchsobjekte, welche wir heute als kulturelles Erbe betrachten, haben ihren Ursprung in der Fertigkeit von Handwerkern, welche ihre Fähigkeiten auf Basis von Handwerkstraditionen erlernten. Im Gegensatz zu Arbeitskräften in der industriellen Vorfertigung von Produkten müssen Handwerker auf unterschiedliche naturgegebene Bedingungen flexibel reagieren können. Verarbeitungseigenschaften von in der Natur vorkommenden Rohstoffen, beispielsweise von Lehm, Stein oder Holz, können stark variieren. Es liegt dabei am Geschick der HandwerkerInnen mit ihren erlernten Techniken, die Qualität eines Produktes und auch Handwerkstechniken selbst zu optimieren.Der Autor dieses Buches ist Architekt und Architekturhistoriker, weshalb seine Forschung starken Bezug zu Handwerkstraditionen im Bauwesen nimmt. Darüber hinaus forscht er zu Baumaterialien, deren Eigenschaften und Verarbeitungsmöglichkeiten mit einem Schwerpunkt auf Lehm und Lehmbautechniken. Eine Zusammenführung dieser Forschungsschwerpunkte ermöglicht die Betrachtung von Handwerkstraditionen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Der gesellschaftliche Stellenwert von Materialien und Bauweisen kann sich zwischen Gesellschaften stark unterscheiden. In diesem Buch wird ein Schwerpunkt auf buddhistische Architektur im Himalaya gesetzt, wo der Autor seit über 20 Jahren forscht. Durch bestimmte Verhaltensmuster wie die rituelle Umrundung bestimmter religiöser Bauten und Objekte, wird deren Bedeutungen in der jeweiligen Gemeinschaft bekräftigt. Diese Bedeutungen wiederum werden durch bestimmte Materialien, Formen, Farben und Texturen sinnlich erfassbar gemacht.Im Zuge der Recherchen wurde sichtbar gemacht, dass sich traditionelle Verarbeitungsmethoden bei Bauwerken, etwa das Polieren von Dächern oder Wänden, bei der Herstellung bestimmter religiöser Objekte wie Lehmskulpturen, aber auch bei der Herstellung von Gebrauchsobjekten wie Lehmöfen oder Töpferware wiederfinden. Das regional tradierte Wissen über Verarbeitungsmethoden wurde über weite Teile des Himalaya verbreitet und regional an die jeweiligen Handwerke angepasst.Der Himalaya bietet sich für diese Forschung durch dessen vielfältige naturräumliche Gegebenheiten an. Unterschiedliche Höhenlagen, Topografien, Vegetation, klimatische und geologische Bedingungen haben die Bau- und Handwerkstraditionen regional geprägt. Das Buch zeigt anschaulich Zusammenhänge von naturräumlichen Gegebenheiten, von regionalen Bau- und Handwerkstraditionen und deren Einfluss auf die materielle Kultur im Himalaya.
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