Wie sehen die Tschechen ihre deutschen Nachbarn? Welche Erfahrungen und Erlebnisse verbinden sie mit den Deutschen, auch im historischen Kontext der wechselhaften Beziehungen? Mit diesen Fragen setzen sich zehn tschechische Persönlichkeiten auseinander, unter ihnen Journalisten, Künstler und Politiker. Sie schreiben aus ganz persönlicher Sicht über ihre Wahrnehmung der Deutschen, insbesondere auch der Sudetendeutschen. Die Autorinnen und Autoren gehören unterschiedlichen Generationen an: Manche sind geprägt durch ihre Eltern, die Holocaust, Nazi-Terror oder danach die Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei erlebt haben. Viele wuchsen mit kommunistischer Propaganda auf, die den Westen und die Westdeutschen dämonisierte. Den Jüngsten unter ihnen eröffnen die Demokratie und ein offenes Europa die Möglichkeit, die Geschichte der beiden Nachbarländer ohne ideologische Scheuklappen zu entdecken. Eine der Autorinnen, Eva Lustigová, sieht ihre Lebensaufgabe beispielsweise in der Vermittlung des humanistischen Vermächtnisses ihres Vaters, des Holocaust-Überlebenden und Schriftstellers Arnot Lustig. Miroslava N¿mcová war nach der Grenzöffnung zunächst Buchhändlerin, bevor sie in die tschechische Politik ging. Regisseur Ji¿í Havelka verarbeitete in einem Theaterstück das Massaker an Deutschen im mährischen Dobronín (Dobrenz). Michaela kultétys Weg zu den Deutschen führt vor allem über die deutsche Sprache, die sie als Übersetzerin ins Tschechische überträgt. Und die Gedanken des Enkels von Heinrich Mann, Jind¿ich Mann, beschreiben sein Leben zwischen Prag und Berlin. Zusammengestellt wurden die Beiträge durch Wolfgang Schwarz, Kulturreferent für die böhmischen Länder im Adalbert Stifter Verein. Einige wurden auch online aufgezeichnet, QR-Codes im Buch führen zu den Videos. Ein solcher Austausch schlägt Brücken, und die persönlichen Geschichten zeugen davon, wie stark verzweigt und vielfältig die Verbindungen zwischen Deutschen und Tschechen sind. Und sie sind - gerade in Krisenzeiten - ein Appell zu vorurteilsfreier Verständigung und für ein geeintes Europa.
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