Weniger, Matthias: Konjunktur und Kennerschaft - Benoit Oppenheim und der Hype des Skulpturensammelns um 1900
Nie standen deutsche Skulpturen der Spätgotik und Renaissance so im Fokus des Sammlerinteresses wie zwischen 1900 und 1910. Eine zentrale Rolle kam dabei Benoit Oppenheim zu (1842-1931). Er hat seine Sammlung selbst in zwei Bänden vorgestellt und dabei erstaunliche Sachkenntnis bewiesen. Schon zuvor hatte er das schönste Haus im Ostseebad Heringsdorf errichten lassen, Lyonel Feininger inspirierte es zu mehreren Arbeiten. Ansonsten aber scheute Oppenheim die Öffentlichkeit und beteiligte sich kaum am gesellschaftlichen Leben. Oppenheim stammte aus einer Königsberger Bankiersfamilie, die später in Dresden zu den wichtigsten privaten Förderern des Architekten Gottfried Semper wurde. Sein Onkel Felix Alexander Oppenheim war einer der frühesten Fotografen überhaupt. Die Familie war mehrfach mit den Mendelssohn Bartholdys verschwägert. Das Buch rekonstruiert das Netzwerk, aus dem Oppenheim hervorgegangen war und in dem er agierte, und stellt seine persönliche Initiative in einen größeren Kontext. Erörtert wird, was ihn zum Sammeln bewog, wo er seine Werke erwarb, wie er sie präsentierte. Das Buch bietet zugleich übergreifende Einblicke in die Mechanismen des Kunstmarkts und des privaten Sammelns. Gefragt wird ferner, inwiefern die jüdischen Wurzeln der Familie das Handeln Oppenheims beeinflussten und warum er seine Sammlung nach 1918 gezielt wieder auflöste. Heute sind seine Arbeiten über prominente öffentliche und private Sammlungen zerstreut. Der Band enthält zahlreiche unveröffentlichte Fotos, viele davon aus Familienbesitz. Im Anhang runden bislang unpublizierte Dokumente das faszinierende Bild eines Sammlers und seiner Epoche ab.
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